Für Hadija Abdalla M Beto beginnt ein neuer Lebensabschnitt: Die 26-Jährige aus Kenia startet gemeinsam mit ihren neuen Mitschülern in die Ausbildung zur Pflegefachfrau am Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum (DBK) in Neubrandenburg. Erst seit einem Jahr lebt sie in Deutschland. Dass sie heute hier sitzt, war für sie keineswegs selbstverständlich.
Viele Bewerbungen, dann die Einladung
„Am schwierigsten war, diese Stelle zu finden“, erzählt Hadija. Sie habe sehr viele Bewerbungen geschrieben. „Ganz, ganz viele.“ Irgendwann habe sie schon überlegt, nicht weiterzumachen. Dann kam eine E-Mail aus dem Klinikum, Hauptbereich Personal- und Sozialwesen. Es folgte das Vorstellungsgespräch – und schließlich die Zusage für die Ausbildung.
Heute wirkt Hadija entschlossen. „Ich glaube, alles ist machbar“, sagt sie auf die Frage, ob sie vor dem Start aufgeregt sei.
Der Weg in die Pflege
Ihr Weg in die Pflege hat auch mit ihrer eigenen Familie zu tun. In Kenia kümmerte sich Hadija mehrere Jahre um ihre Mutter, die an Demenz erkrankt war. Rund sechs Jahre habe sie die Mutter unterstützt, bis sie starb. Ihre Schwester lebt inzwischen verheiratet in Deutschland und ermunterte Hadija, zu ihr nach Deutschland zu kommen.
Ganz neu ist das Lernen für Hadija nicht. In Kenia absolvierte sie eine dreijährige Ausbildung zur Erzieherin. Auch ein Praktikum in einem Kindergarten gehörte dazu. Doch sie merkte, dass dieser Beruf nicht das Richtige für sie war. „Gefällt mir nicht so“, sagt sie rückblickend. Stattdessen möchte sie Menschen helfen. Erfahrungen in der Pflege sammelte sie bereits bei Praktika, unter anderem in einem Pflegeheim und in der Tagespflege eines Klinikums. Nun will sie daraus einen Beruf machen. Nach der Ausbildung kann sie sich gut vorstellen, in Neubrandenburg zu bleiben. „Vielleicht weiterentwickeln in dieser Abteilung“, sagt sie. Auf alle Fälle möchte sie in der Pflege bleiben und Neues lernen.
Sprache als zusätzliche Herausforderung
Eine der größten Hürden auf dem Weg in die Ausbildung ist für ausländische Bewerber die deutsche Sprache. Hadija hat in Kenia sechs Monate Deutsch gelernt und dort das A1-Niveau erreicht. Nach ihrer Ankunft in Deutschland setzte sie ihren Deutschunterricht fort und verbesserte ihre Sprachkenntnisse weiter.
Für den Beginn einer Ausbildung müssen Bewerber bereits ein bestimmtes Sprachniveau nachweisen. Am DBK wird darüber hinaus Unterstützung angeboten. Zwei Deutschlehrerinnen sind im Klinikum beschäftigt und können die Auszubildenden während der gesamten Ausbildungszeit zusätzlich begleiten. Das ist besonders wichtig, weil zur Alltagssprache noch die Fachbegriffe kommen. In der Berufsschule müssen die Auszubildenden komplexe Inhalte verstehen, in der Praxis mit Kollegen und Patienten kommunizieren. Für Menschen, die Deutsch erst als Erwachsene gelernt haben, ist das eine zusätzliche Herausforderung.
Nachwuchs wird dringend gebraucht
Dass das Klinikum auf Bewerber aus anderen Ländern setzt, hat einen konkreten Grund: Die Zahl der Bewerbungen geht zurück. Für die Pflege gab es in diesem Jahr rund 150 Bewerbungen. Aktuell werden 54 Auszubildende in diesem Bereich ausgebildet. „Wir würden natürlich eigentlich auch gerne mehr ausbilden“, sagt die Pflegedirektorin der Diakonie Klinikum Dietrich Bonhoeffer GmbH, Sarah Buder.
Der demografische Wandel macht sich bemerkbar: Es gibt weniger junge Menschen, die für eine Ausbildung zur Verfügung stehen. Deshalb wirbt das Klinikum inzwischen auch international um Nachwuchs. Seit drei Jahren kommen Auszubildende aus Indien nach Neubrandenburg. In diesem Jahr beginnen rund 20 junge Menschen aus Indien ihre Ausbildung. Insgesamt arbeiten am DBK Menschen aus rund 56 Nationen. Die Internationalität gehört damit längst zum Alltag des Hauses.
„Suchen Sie sich Weggefährten“
Sarah Buder, die selbst vor 19 Jahren ihre Ausbildung begann, gibt den neuen Auszubildenden zum Start vor allem eines mit: Sie sollen sich Weggefährten suchen, sich gegenseitig unterstützen und bei Fragen Hilfe annehmen.
Auch Hadija will ihren Weg gehen. Viele Menschen im Klinikum kennt sie an ihrem ersten Tag noch nicht. Aber das soll sich ändern. „Vielleicht morgen oder wenn der Kurs weitergeht, kann ich alles lernen“, sagt sie.