125 Jahre lang – von 1859 bis 1984 – waren die Alsterschiffe ein beliebtes Verkehrsmittel im täglichen Berufsverkehr Hamburgs. Millionen von Fahrgästen nutzten sie, um zur Arbeit zu kommen. Seit 1984 ist damit Schluss.
Die Anfänge der Alsterschifffahrt
Der Versicherungsmakler Gustav Adolph Droege hatte als Erster die Idee, einen Linienverkehr mit Dampfschiffen auf der Alster einzurichten. Nach jahrelanger Prüfung erhielt er vom Senat 1856 die Konzession. Am 15. Juni 1859 startete der Schraubendampfer „Alina“ vom Hamburger Schiffsmakler Johann Peter Parrau den Linienbetrieb vom Jungfernstieg zum Mühlenkamp und nach Eppendorf.
Später kamen Fährverbindungen und andere Anbieter hinzu. Diese schlossen sich 1860 mit Parrau zu einem Verkehrsverbund mit abgestimmtem Fahrplan und einheitlichem Tarifsystem zusammen. Die Dampfer fuhren im 10- oder 20-Minuten-Takt.
Blütezeit und Niedergang
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren etwa 30 Dampfschiffe auf der Alster im Einsatz. 1911 beförderten die Alsterdampfer etwa elf Millionen Fahrgäste – auch nachts im 30-Minuten-Takt. Ihren vollständig weißen Anstrich erhielten die Schiffe bereits 1902.
Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm die Hamburger Hochbahn AG die Alsterdampfschiffahrts-GmbH. Das Aufkommen von Straßenbahnen, Omnibussen und U-Bahnlinien sorgte in den 1920er-Jahren für einen Passagierrückgang. Nutzten damals noch rund sechs Millionen Menschen pro Jahr die Dampfer, waren es ein Jahrzehnt später weniger als vier Millionen.
Integration in den HVV und Ende des Linienverkehrs
1965 wurde der Alsterschiff-Verkehr in den neu gegründeten Hamburger Verkehrsverbund (HVV) integriert. Dennoch sanken die Fahrgastzahlen weiter. U-Bahn, Straßenbahn und Bus brachten ihre Fahrgäste schneller ans Ziel.
Für Matthias Kruse, Vorsitzender des Vereins Alsterdampfschiffahrt, waren die rückläufigen Fahrgastzahlen eine Folge von Angebotseinschränkungen. „Mit Einführung einer Winterpause 1974 wurde der Alsterlinienschifffahrt die konstante Funktion im Gesamtnetz des ÖPNV in Hamburg genommen. Ein auf die Sommerzeit beschränkter Betrieb muss zwangsläufig zu einer überwiegenden touristischen Nutzung führen“, sagte Kruse dem NDR. „Eine weitere Angebotseinschränkung war die Stilllegung der Linie 53 Jungfernstieg - Mundsburger Brücke zum Jahresende 1975.“
1983 wurde zur Minderung des Defizits der Schnellbus-Zuschlag des HVV erhoben. Nur noch 690.000 Fahrgäste wurden im Linienverkehr gezählt. Das jährliche Betriebsdefizit erhöhte sich auf 1,33 Millionen DM. Am 7. Februar 1984 beschloss der Hamburger Senat, die Linienschifffahrt auf der Alster zum 15. Juni 1984 einzustellen.
Tourismus und historische Schiffe
Heute starten vom Jungfernstieg zwei Anbieter ihre Alsterfahrten. Die Alster-Touristik GmbH ist an 365 Tagen im Jahr unterwegs. Die 17 Schiffe der Flotte befördern jährlich mehrere Hunderttausend Fahrgäste. Die 1952 in Dienst gestellte „Eilbek“ wurde 2024 auf Batteriebetrieb umgerüstet und fährt als erstes historisches Alsterschiff emissionsfrei.
Der Alsterdampfschiffahrt e.V. bietet von März bis Oktober Fahrten mit der historischen „St. Georg“ an. Das 1876 als „Falke“ erbaute Schiff ist das älteste betriebsfähige Dampfschiff Deutschlands. Mit insgesamt drei Dampfschiffen der Baujahre 1875 bis 1879 verfügt Hamburg über die älteste Dampfschiff-Flotte der Welt.