Kristallklares, türkisblaues Wasser und feiner Sandboden – der Fürstensee in Mecklenburg-Vorpommern erinnert an die Karibik. Doch der einstige Geheimtipp ist längst kein Geheimnis mehr: Immer mehr Berliner entdecken den See für sich, wie der Rückkehrer Martin Trotz in seiner Kolumne „Ich bin wieder hier“ berichtet.
Zurück in die Heimat
Nach 13 Jahren in Berlin ist Trotz zurück in seine mecklenburgische Heimat gezogen. „Stell dir mal vor, du wohnst jetzt in Berlin!“ – diesen Satz habe er in den vergangenen Wochen oft gehört, schreibt er. In der Hauptstadt habe er Staub, Hitze und Beton erlebt und benötigte 45 Minuten, um einen halbwegs schönen Badesee zu erreichen. Jetzt genießt er die Seenvielfalt Mecklenburg-Vorpommerns.
Über 2.000 Seen im Bundesland
Das „Land der 1000 Seen“ sei keine Übertreibung: MV ist das gewässer- und seenreichste Bundesland Deutschlands mit über 2.000 Seen. Allein die Mecklenburgische Seenplatte zählt 1.117 natürliche Seen. Eine Frau, mit der Trotz sprach, hielt diese Zahl zunächst für eine abstrakte Redewendung.
Abkühlung an Ostsee und Haff
Die Ostsee bleibt die erste Adresse. Von Neubrandenburg aus erreicht Trotz Usedom in gut einer Stunde. Auch das Stettiner Haff bei Ueckermünde ist ein Ziel: kleine Wellen, salziger Wassergeschmack, breiter Strand und flacher Einstieg – schon als Kind liebte er das Baden dort.
Persönliche Highlights: Tollensesee und Langer See
Trotz fährt aktuell die Seen ab, die er vor 25 oder 30 Jahren schon besuchte. Der Tollensesee mit dem Campingplatz Gatsch Eck versprühe Urlaubsgefühl und Leichtigkeit. Am See in Penzlin gibt es einen Steg, Wasserspielplatz und für 3,50 Euro einen riesigen Pommes-Teller. Besonders ans Herz gewachsen ist ihm der Lange See bei Neustrelitz: eine Kindheitsgeschichte, in der sein Vater mitten im Winter für Geld ins Wasser sprang. Der See ist ein nährstoffarmer Klarwassersee mit bis zu 18 Metern Tiefe.
Karibikflair am Fürstensee – aber kein Geheimtipp mehr
Am Fürstensee fühlt sich Trotz an die Karibik erinnert: kristallklares, türkises Wasser und heller, feiner Sandboden. Doch die Berliner Blase reiche mittlerweile bis nach Neustrelitz, schreibt er. Hippies, Musikboxen mit Kalkbrenner, Gespräche über das Leben in Potsdam – am Nachmittag wird es eng am Sandstrand. Der Geheimtipp sei keiner mehr. Neben der naturbelassenen Waldbadestelle gibt es auch eine Hauptbadestelle für Badegäste, die nicht weit laufen wollen.
Noch viele unentdeckte Seen
Trotz hat noch lange nicht alle Seen abgeklappert: Der Schmale und Breite Luzin an der Feldberger Seenplatte stehen noch aus. Ein Arbeitskollege empfahl Dalmsdorf am Käbelicksee, die Kita-Erzieherin seines Sohnes den Drewitzer See. Auch der Schweriner See und der Kummerower See stehen auf seiner Liste. „Alles ist gar nicht zu schaffen“, resümiert er. Für Kinder sei vielerorts Sand zum Burgenbauen und Schatten durch die Wälder vorhanden – es sehe aus wie in Schweden.
Fazit: Umzug hat sich gelohnt
„Der Umzug hat sich gelohnt“, schreibt Trotz. Die Natur sei gewaltig und wunderschön, die Abwechslung groß. Statt von Restaurant zu Club zu ziehen, fahre er nun Badestellen und Seen ab. „Das ist Leben. Das ist Freiheit. Das ist Heimat.“